Pilzsporen sind fürs menschliche Auge nicht sichtbar und finden sich an
vielen Orten, es kann daher relativ leicht vorkommen, dass man ungewollt seine
Meerschweinchen mit Hautpilz belastet. Sind die Tiere absolut fit und das
Immunsystem nicht geschwächt, kommt es oft nicht zu einem sichtbaren
Krankheitsausbruch, der Besitzer merkt überhaupt nichts davon. Trotzdem können
die Tiere Pilzsporen im Fell haben und diese weitertragen.
Pilzsporen können mit Heu, Gras - vor allem aber an den Händen oder mit neuen
Tieren eingeschleppt werden.
Hautpilze sind ansteckend, die Ansteckung kann sowohl vom Mensch (bsp. Fusspilz!)
zum Tier, als auch umgekehrt erfolgen. Vorsicht deshalb bei der Behandlung
von erkrankten Meeris - viele Meerihalter können ein Lied davon singen, wie
unangenehm es ist, wenn man sich selber mit Hautpilz ansteckt!
Ist das Immunsystem eines Meerschweinchens geschwächt, bricht Pilz oft
blitzartig aus und verbreitet sich unter Umständen sehr schnell.
Typische Auslöser für Pilzerkrankungen:
- Stress (Umzug, ungeschickte Gruppenzusammensetzung, etc.)
- starke Temperaturschwankungen und hohe Luftfeuchtigkeit
- Trächtigkeit
- Entwöhnung von der Mutter (Jungtiere im Alter von ca. 3 Wochen sind besonders
gefährdet)
- schlechte Haltungsbedingungen generell
Werden mehrere Tiere von verschiedenen Züchtern innerhalb eines kleinen
Zeitraums gekauft und zu einer Gruppe zusammengeführt, bringt man einen ganzen
Erregercocktail mit; jeder Stall hat seine eigenen stallspezifisichen Erreger,
an die das Immunsystem der Bewohner eigentlich gewöhnt ist. Bringt man nun aber
mit verschiedenen Tieren ganz unterschiedliche Erreger zusammen, ist das
Immunsystem mancher Tiere hoffnungslos überfordert. In der Folge treten oft
typische Erkrankungen wie Milbenbefall, Haarlingsbefall und eben auch Pilz auf.
Die Symptome von Pilz und Milbenbefall sind häufig sehr ähnlich und können
ohne Gewebeprobe und entsprechende Kultur nicht immer zweifelsfrei unterschieden
werden. Da auch beides oft gemeinsam auftritt, behandeln viele Tierärzte
standardmässig sowohl gegen Pilz als auch gegen Milben gleichzeitig.
In der Folge einer Pilzerkrankung tritt auch öfter eine bakterielle Dermatitis
auf. Die einzelnen Symptome verwischen sich und es ist schwierig, die
verschiedenen Krankheiten sauber voneinander zu unterscheiden.
Eine Dermatitis wird in der Regel mit einem geeigneten Antibiotikum bekämpft -
schulmässig korrekt nach einem Antibiogramm, um den idealen Wirkstoff zu
bestimmen. In der Praxis wird auf das Antibiogramm meist verzichtet und es kommt
ein Breitspektrumantibiotikum zum Einsatz.
Am häufigsten entdeckt man Pilzerkrankungen bei Meerschweinchen im Kopfbereich:
kahle Nasen und Ringe um die Augen, verkrustete Stellen rund um Ohren, Augen und
an der Nase sind typisch.
Teilweise entstehen auch regelrechte Propfen im Ohr drin. Diese können aber
leicht mit Ohrmilbenbefall verwechselt werden.
Bei trächtigen Weibchen auch öfter an den Zitzen - und dann stecken sich meist
die Jungen beim Trinken ebenfalls an. Nicht so häufig sind Pilzflecken irgendwo
am Körper. Im Gegensatz zu Milbenkrusten sind solche Pilzstellen irgendwo am
Rumpf meist fast kreisrund.
Hier ein paar Bilder (lassen sich durch Anklicken vergrössern):
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Bei Jungtieren mit krausem Fell (Rassen: Teddy, Rex, Lunkarya, Texel, Merino,
Alpaka) bemerkt man sehr oft im Alter von zwei bis drei Wochen kahle Stellen auf
der Nase, ohne jeglichen Schorf oder Krusten. Das ist KEIN PILZ, sondern eine
rassetypische Eigenheit. Wenn die Jungtiere ihr Babyfell verlieren, brechen ihre
Haare im Nasenbereich beim Säugen oft. Das Fell wächst aber rasch und ohne
irgendwelche Behandlung nach.
Eine sehr umfangreiche Informationsseite
rund um Pilz hat Silvia Oehms zusammengestellt.
Sie hat eine Umfrage bei verschiedenen ZüchterInnen und HalterInnen gemacht und
ganz unterschiedliche Angaben zu Erfahrungen und Behandlungsmethoden
zusammengetragen. Es lohnt sich, das einmal in Ruhe durchzulesen!
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Silvia für ihre Arbeit und
Mühe!
Eine kritische Anmerkung sei an dieser Stelle aber erlaubt:
Ganz wichtig bei der Behandlung von Pilzpatienten: viel Geduld, Vermeiden von
Stress, möglichst wenig einfangen und nicht versuchen, mit häufiger Salberei
den Heilungsprozess zu beschleunigen! Weniger ist fast immer mehr!
Es dauert normalerweise mehrere Wochen, bis Pilz abgeheilt ist, sich die Haut
vollständig erholt hat und neue Haare nachgewachsen sind. Soweit möglich,
trennt man Pilzpatienten zwar von der Gruppe, um eine Ansteckung möglichst zu
vermeiden. Einzelhaltung darf aber sicher kein Thema sein! Mindestens ein
Gspänli braucht auch ein Pilzpatient.
Das bedeutet längst nicht immer, dass auch die Gspänli sich anstecken, viele
Meeris haben ein so intaktes Immunsystem, dass sie auch im gleichen Stall mit
einem Pilzpatienten nicht erkranken.
Der Stall muss natürlich regelmässig gemistet werden und es ist besonders
darauf zu achten, dass kein Kondenswasser oder sonstige Feuchtigkeit im Stall
entsteht. Pilzsporen lieben ein feuchtwarmes Stallklima. Teilweise kann es
deshalb sinnvoll sein, einige engere Unterschlüpfe vorübergehend zu entfernen,
vor allem im Winter wird es dort gerne feucht und miefig.
Eine Desinfektion des Stalls (beispielsweise ganz einfach und kostengünstig mit
7%iger Javel-Lösung) hat erst nach dem vollständigen Abheilen des Pilz
wirklich einen Sinn. Anschliessend muss der Stall ausgiebig gelüftet werden,
bevor neu eingestreut wird und wieder Meeris einziehen können.
Bei der Auswahl der Pilzmedikamente spielt es an sich natürlich eine grosse
Rolle, mit welchen Pilzsporen man konkret zu tun hat. Nicht jede Sporenart
reagiert auf den gleichen Wirkstoff.
Sehr bewährt haben sich die beiden Medikamente aus der Humanmedizin (rezeptfrei
in jeder Apotheke erhältlich):
CANESTEN (in Form von Creme oder Spray) mit
dem Wirkstoff Clotrimazol. Es handelt sich dabei um ein Imazolderivat, wie
Econazol (besser bekannt unter dem Produktenamen PEVARYL).
Viele Pilzarten lassen sich damit ausgezeichnet behandeln.
Oft hört man die Empfehlung, erkrankte Tiere zweimal täglich einzufangen und zu
behandeln - das ist sehr stressig für die ganze Gruppe, da damit sehr viel
Unruhe ins Gehege gebracht wird.
Wir haben bessere Erfahrungen damit gemacht, erkrankte Tiere nur alle zwei- bis
drei Tage mit Canesten zu behandeln.
LAMISIL (ebenfalls als Creme, Spray und in
Tablettenform) mit dem Wirkstoff Terbinafin.
Seit einiger Zeit gibt es ausserdem
LAMISIL PEDISAN ONCE. Die eigenen
Erfahrungen mit diesem Mittel sind mehrheitlich sehr gut: der Wirkstoff
Terbinafin bekämpft zuverlässig einige der häufigsten Pilzsporenarten,
gleichzeitig ist die Applikationsart sehr stressarm für die Tiere.
Bei frühzeitiger Behandlung und korrektem Einsatz des Mittels reicht es oft, das
betroffene Tier nur ein- bis zweimal mit Lamisil zu behandeln (im Abstand von
mindestens einer Woche!). Damit ist dieser Behandlungsansatz ganz klar am
wenigsten stressig für das Tier und auch für die Gruppe, in der es lebt.
Ein grundsätzlich anderer Behandlungsansatz wird mit der Waschlotion
IMAVEROL eingeschlagen. Die Lösung wird in
einer 50% Verdünnung eingesetzt.
Erkrankte Tiere werden damit sorgfältig abgewaschen, das Mittel soll
anschliessend NICHT ausgespült werden.
Bei kleinen befallenen Stellen reicht es auch aus, nur die betroffenen Stellen
(Ränder grosszügig miteinbeziehen) mit der Lösung zu betupfen.
Die Behandlung muss meist etwa zwei bis dreimal wiederholt werden in Abständen
von mehreren Tagen.
Am einfachsten lässt sich das bei Meerschweinchen umsetzen, indem man in einer
kleinen Schüssel einige Zentimeter hoch leicht temperierte Waschlösung in der
korrekten Verdünnung bereitstellt, das Meerschweinchen hineinsetzt und mit der
flachen Hand vorsichtig die Flüssigkeit über das Tier schöpft. Anschliessend nur
leicht abtupfen mit einem sauberen Frottiertuch und das Meeri in einer
gesicherten Box unter eine Rotlichtlampe zum Trocknen setzen. Gibt man etwas
Frischfutter dazu, hält sich der Stress in Grenzen.
Trockenföhnen ist extrem stressig für die Tiere, deshalb nicht zu empfehlen.
Tierärzte verschreiben sehr oft das Produkt PANOLOG.
Da Panolog nebst dem eigentlichen Wirkstoff gegen Pilz (in diesem Fall Nystatin)
auch noch zwei Antibiotika (Neomycin und Thiostrepton) enthält, wirkt es auch
gut gegen entzündliche Prozesse im Hautbereich. Ausserdem ist noch ein
Glukosekortikosteroid enthalten (Triamcinolonacetonid).
Ein echter Rundumschlag also, die richtige Behandlung, wenn man nicht so ganz
genau weiss, womit mans zu tun hat und einfach mal grosszügig von allem etwas
machen will.
Wir haben damit mässig gute Erfahrungen gemacht. Ganz allgemein sind wir etwas
skeptisch, wie sinnvoll der Einsatz von Antibiotika und Kortikosteroiden bei
Pilz tatsächlich ist. Angezeigt sind Antibiotika dann, wenn gleichzeitig eine
bakterielle Dermatitis als Sekundärinfektion vorliegt, Kortikosteroide bei
extremem Juckreiz.
Unter Züchtern wird häufig zu SUROLAN
geraten - eine Tropfsuspension, die für Ohrinfektionen bei Hund und Katze
entwickelt wurde.
Es enthält nebst dem Pilzwirkstoff Miconazol auch ein Antibiotikum und ein
Cortisonsteroid, wirkt juckreizstillend und entzündungshemmend.
Unsere eigenen Erfahrungen mit diesem Produkt sind vergleichbar mit Panolog.
(Detaillierte Informationen zu den genannten Medikamenten sind zu finden bei
Clinipharm und
Documed)
Einige durchaus gebräuchliche Medikamente sind in den letzten Jahren wieder
"verschwunden", da ihre Zulassung in der Schweiz erloschen ist.
Dazu gehören beispielsweise das Impfmittel INSOL und die Pilztabletten
GRISEOFULVIN und LIKUDEN.
Alles, was generell das Wohlbefinden der Tiere und die Stärkung des Immunsystems
fördert, ist auch bei Pilzerkrankungen sinnvoll. Beispielsweise also eine
gezielte Kur mit einem Vitaminpräparat. Es ist nicht wirklich sinnvoll, solche Vitaminpräparate über
längere Zeit einzusetzen - eigentlich sollte der Vitaminbedarf mit der
täglichen Nahrung auch so gedeckt sein. Bei Krankheiten kann es aber
tatsächlich hilfreich sein, für eine oder zwei Wochen gezielt ein solches
Konzentrat anzubieten.
Auch hier gilt, wie bei den Tabletten: am besten direkt verabreichen, damit man
sicher sein kann, dass die betroffenen Tiere auch wirklich die richtige Dosis
bekommen. Nicht einfach ins Trinkwasser schütten.
Diverse Vitamine sind ausserdem wasserlöslich und lichtempfindlich (gilt auf
jeden Fall für das wichtige Vitamin C!) Schüttet man sie also einfach ins
Trinkwasser, zerfallen sie unter Umständen bereits lange bevor ein Tier davon
trinkt und nützen so überhaupt nichts.
Besser ist es, die Vitamintropfen auf einen Leckerbissen zu tropfen und so
anzubieten. Ob das ein Grünrolli oder ein Salatblatt, ein ungezuckertes
Cornflakes oder ein Gurkenrädchen ist, hängt von den Vorlieben des Patienten
ab.
Ein Meerschweinchen, das einmal Pilz gehabt hat, ist nicht zwangsläufig
besonders anfällig und wird auch nicht alle Nase lang erneut an Pilz erkranken.
Um sicher zu sein, dass das Tier wirklich keine Pilzsporen mehr im Fell hat und
den Pilz so an andere Tiere weitergeben kann, empfiehlt es sich vor dem
Zusammensetzen mit gesunden Meerschweinchen und ganz besonders vor der Abgabe an
andere Halter, es einmal mit Imaverol-Lösung kurz abzuwaschen. Es ist nicht
notwendig, ein komplettes Bad durchzuführen, die Waschung genügt.
Anschliessend setzt man das Meeri am einfachsten unter eine Rotlichtlampe und
lässt es in aller Ruhe trocknen. Das ist wesentlich weniger stressig als
abfrottieren und fönen. Die Rotlichtlampe soll einen Abstand von 60 cm zum
Meeri haben und das Tier muss auch ausweichen können, wenn es direkt unter der
Lampe zu warm hat! Am besten nimmt man eine stabile Kiste mit genügend hohem
Rand, legt sie mit Frotteetuch aus, setzt das nasse Meeri hinein, die Lampe 60
cm darüber so, dass sie nur eine Ecke voll bescheint. Ausserdem gibts für das
verschüchterte Tier eine Portion Heu oder Grünzeug als Ablenkung.