Milbenbefall ist einer der häufigsten Gründe überhaupt für einen Besuch
beim Tierarzt. Man bemerkt ihn meist an kleinen, schorfigen Krusten im Bereich
der Schultern oder am hinteren Rücken. Die befallenen Tiere kratzen sich selber
mit den Hinterläufen oder mit den Zähnen, bzw. beissen verzweifelt ins Fell,
um die Lästlinge loszuwerden.
Diese Verletzungen werden auch leicht verwechselt mit Kampfspuren - eine
Bisswunde ist nun mal eine Bisswunde, egal, ob sie vom Tier selber verursacht
wurde oder von einem anderen Rudelmitglied.
Selbst Tierärzte irren sich hier verhältnismässig oft.
Wenn man bei sorgfältiger Beobachtung der Gruppe keinerlei Streitereien bemerkt
und trotzdem Tiere mit entsprechenden Wunden hat, ist es auf jeden Fall
angebracht, auch auf blossen Verdacht hin gegen Milben zu behandeln, bevor man
daran denkt, die Gruppe zu trennen.
Es gibt mehrere verschiedene Milbenarten: Räudemilben, Pelzmilben, Raubmilben,
Haarbalgmilben und Herbstgrasmilben. Die Unterscheidung fällt oft ohne genauere
Untersuchung schwer, ist für die Behandlung aber nicht unbedingt nötig. Manche
Milbenbefälle zeigen Symptome, die sehr ähnlich aussehen wie ein
Hautpilzbefall.
Im Zweifelsfall behandeln viele Tierärzte gleichzeitig gegen Milben UND Pilz.
Das macht auch durchaus Sinn, denn geschwächte Tiere sind ganz klar anfälliger
und werden sehr oft auch von beiden Krankheiten gleichzeitig befallen. Egal, ob
nun zuerst der Pilz da war oder zuerst die Milben - oft hat man es mit beidem zu
tun. Ohne Hautgeschabsel und entsprechende Kultur lässt sich oft nicht mit
Sicherheit sagen, worum es sich wirklich handelt.
Hier einige Bilder von unterschiedlichen Milbenfällen, von den relativ kleinen,
unauffälligen Kratzwunden bis zu grossflächigen Läsionen (vermutlich handelt
es sich da bereits nicht mehr nur um Milben, sondern um eine Kombination von
Milbenbefall mit bakterieller Dermatitis oder mit einer Pilzinfektion). Die
Bilder lassen sich durch Anklicken vergrössern:
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Milben sind mikroskopisch kleine Tierchen, die ihre Eier unter der Haut der
Meeris ablegen. Das verursacht einen höllischen Juckreiz und bringt die Meeris
dazu, sich selber zu verletzen.
Die rein äusserliche Behandlung mit Parasitenmitteln genügt deshalb oft nicht,
denn Meerschweinchen haben eine ausserordentlich dicke und zähe Haut.
Man setzt deshalb meist Nervengifte ein, die über das Blut von den Milben
aufgenommen werden und diese abtöten.
Am gebräuchlichsten ist die Behandlung (Tierarzt!) durch eine zwei- bis
dreimalige Injektion von Avermectinen (IVOMEC
oder DECTOMAX) im Abstand von 8 bis 10
Tagen. Durch die mehrmalige Behandlung werden auch diejenigen Milben erreicht,
die bei der ersten Injektion im Larvenstadium waren und deshalb nicht abgetötet
wurden.
Neuerdings setzt sich vermehrt die Behandlung durch sogenannte Spot-Ons oder
Pour-Ons durch. Dabei wird ein hochdosiertes Avermectin in öliger Konsistenz
auf den Nacken des Tiers aufgetropft. Bei Meerschweinchen kann man das Präparat
auch sehr gut auf den haarlosen Stellen hinter den Ohren aufbringen.
Der Wirkstoff gelangt durch die Haut ins Blut und so zu den Ektoparasiten, die
bekämpft werden sollen.
Im Gegensatz zur Behandlung durch Injektion hält die Wirkung rund einen Monat
an (höhere Wirkstoffkonzentration und verzögerte Aufnahme über die
Hautzellen), meist ist keine zweite Behandlung notwendig.
Für die betroffenen Meerschweinchen ist die Behandlung mit einem Spot-On
ausgesprochen schonend und relativ stressfrei.
Bekannte Spot-Ons sind:
IVOMEC Pour-On, FRONTLINE, ADVOCATE und STRONGHOLD
In der Praxis bewährt sich vor allem Stronghold ausgezeichnet, das
den Wirkstoff Selamectin enthält, ein Doramectin-Derivat, also eine
Weiterentwicklung des bereits bekannten Wirkstoffs Doramectin, auf dem Dectomax
beruht.
Manche Milbenstämme scheinen bereits Resistenzen gegen den ältesten Wirkstoff
dieser Gruppe, Ivermectin (Ivomec) entwickelt zu haben. Es kann daher vorkommen,
dass eine Behandlung mit Ivomec nicht den gewünschten Effekt hat und ein
Wechsel zu einem neueren Präparat wie Dectomax oder eben Stronghold angezeigt
ist.
Um den Juckreiz zu stillen, sind bei extremem Befall eventuell Waschungen oder
Bäder mit entsprechenden Produkten sinnvoll. ECTOFUM
und SOUFROL werden dabei relativ häufig
eingesetzt. Auch FENISTIL-Tropfen bringen
Linderung.
Generell sind wir nicht der Meinung, dass man Meeris öfter waschen oder baden
sollte, diese Anwendung beschränkt sich deshalb unserer Ansicht nach wirklich
auf ganz schlimme Fälle.
Eine Behandlung ausschliesslich mit Ectofum-Bädern hilft nur bei sehr schwachem
Befall und ist sonst meist ungenügend.
Seltener als die Grab- oder Räudemilben trifft man bei Meerschweinchen auf
Pelzmilben. Diese sind vergleichsweise harmlos, als Therapie empfiehlt sich eine
Behandlung wie bei Haarlingen.
Die Meinungen, wie ein Stall nach Milbenbefall gereinigt werden muss, gehen
relativ weit auseinander.
Wir meinen: da man Milben relativ leicht jederzeit einschleppen kann (neu
zugekaufte Tiere, Heu, Gras, Kleider, Hände), ist es utopisch zu glauben, ein
Stall oder ein Gehege sei auf lange Zeit vollkommen milbenfrei. Gesunde, robuste
Meerschweinchen mit einem intakten Immunsystem zeigen auch bei latent
vorhandenen Milben meist keine Symptome. Erst eine Schwächung (Trächtigkeit,
Geburt, Krankheit, Alter, Wetter, Futterumstellung, schlechte Haltungbedingungen,
etc.) lassen die Milben überhand nehmen und machen den Befall für den Halter
sichtbar.
Einen klassischen Stall oder Käfig kann man allenfalls abdampfen oder gar mit
7%iger Javellösung auswaschen (gut lüften nachher!), einen Auslauf kann man
unmöglich wirklich komplett von Milben befreien.