TIERSCHUTZ UND ZUCHT

Das gezielte Züchten von Tieren (natürlich nicht nur bei Meerschweinchen) bedingt zuallererst einmal ein grosses Wissen über diese Tierart, über ihre Bedürfnisse und Eigenheiten. Ausserdem sollte man voraussetzen können, dass ein richtiger Züchter seine Tiere wirklich schätzt als Individuen und nicht nur aufgrund von Ausstellungserfolgen Prestige- oder Geldgewinn an ihnen interessiert ist.
Zucht und Tierschutz schliessen sich nicht gegenseitig aus, sondern sollten Hand in Hand arbeiten.

Ein Züchter hat Vorbildfunktion, er soll die Käufer seiner Tiere sorgfältig beraten und ihnen zeigen, wie die Tiere richtig gehalten werden.
Meerschweinchen sind Rudeltiere - es darf darum auch in der Zucht nicht akzeptiert werden, dass sie (beispielsweise unkastrierte Böcke) auch nur vorübergehend einzeln gehalten werden oder in kleinen Ställen leben müssen. Der Züchter ist verpflichtet, sich ständig weiterzubilden und seine Haltung neuen Erkenntnissen anzupassen. Was vor 20 Jahren noch "normal" war, kann heute nicht einfach mehr ohne Hinterfragen übernommen werden. Kleine Stallboxen ohne Auslauf sind darum auch für Böcke, Verpaarungen und für die Aufzucht von Jungtieren undenkbar.
Die Richtlinien für artgerechte Haltung gelten für einen Züchter nicht etwa weniger genau, weil es bei vielen Tieren schwieriger ist, sie umzusetzen - sondern sie gelten im Gegenteil erst recht, weil er eben ein Vorbild sein soll! Wer seine Tiere nicht artgerecht halten kann, ist offensichtlich überfordert und muss zwingend seinen Bestand reduzieren, damit die verbliebenen Tiere den nötigen Platz und die nötige Pflege bekommen können.

Für jedes Tier, das er übernimmt oder das bei ihm zur Welt kommt, ist der Zücher verantwortlich.
Es sollte selbstverständlich sein, dass ein Züchter seine Abgabetiere wenn nötig auch wieder zurücknimmt, bei Schwierigkeiten angefragt werden kann und nach Kräften behilflich ist, Probleme zu lösen, in dem er beispielsweise für Tiere, die nicht mehr gehalten werden können, neue Plätze suchen hilft.
Um überhaupt kurzfristig reagieren zu können, müssen in einer Zucht immer Möglichkeiten vorhanden sein, ein paar zusätzliche Tiere rasch, aber trotzdem gut, unterbringen zu können. Der eine oder andere Stall oder Auslauf sollte also praktisch ständig leerstehen, um im Notfall sofort benutzt werden zu können. Auch bei den eigenen Tieren kann ein Züchter nicht damit rechnen, dass alle Jungtiere praktisch sofort verkauft werden, sobald sie das Abgabealter erreicht haben - es muss genügend Platz vorhanden sein, um einige von ihnen allenfalls auch über einen längeren Zeitraum zu behalten.

Meist stammen nicht alle Tiere einer Gruppe aus derselben Zucht, manche Halter wohnen relativ weit entfernt vom Züchter. Und oft weiss der Besitzer nicht von allen seinen Tieren, aus welcher Zucht sie stammen. Bei Zoohandlungstieren etwa wird diese Information in aller Regel nicht weitergegeben.
Es liegt darum auf der Hand, dass nicht jedes Tier zwingend zum ursprünglichen Züchter gebracht wird, wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gehalten werden kann.
Sicher wünscht sich jeder Züchter, dass seine Tiere im Notfall auf Menschen stossen, die ihnen helfen - er wird also umgekehrt auch Tiere fremder Herkunft bei sich aufnehmen und sich auch für diese Tiere einsetzen.

Werden einzelne Tiere abgegeben, stellt sich immer die Grundsatzfrage: Quarantäne oder Gesellschaft?
Meerschweinchen sollten als Rudeltiere niemals einzeln gehalten werden. Stirbt einem Meerschweinchen der Partner weg, braucht es wieder Gesellschaft. Es kann aus Einsamkeit verkümmern und sterben, wenn man es sicherheitshalber erst einmal vier Wochen lang in Quarantäne hält.
Ausgewachsene, unkastrierte Böcke sind nicht so einfach unterzubringen - auch nach der Kastration können sie noch während mehrerer Wochen zeugungsfähig sein.
Jungtiere sollten nach Möglichkeit in einer altersmässig gemischten Gruppe aufwachsen, damit sie ihren Spieltrieb mit anderen Jungtieren zusammen ausleben können, gleichzeitig aber eine gute Sozialisierung durch ältere Gruppenmitglieder bekommen.

Für einen Züchter ist es in der Regel nicht allzu schwierig, eine geeignete Lösung zu finden. Ein frisch kastrierter Bock etwa kann mit einem bereits trächtigen Weibchen zusammengesetzt werden oder kann zwei bis drei Jungböcke zur Gesellschaft bekommen, bis die Operation lange genug zurückliegt, um ihn zu Weibchen abzugeben.
Jungtiere können meist problemlos in eine bestehende Gruppe eingefügt werden.
Beim Weiterplatzieren findet sich für ein Vermittlungstier oft auch ein passender Gefährte unter den Abgabetieren der Zucht, so dass zwei oder mehr Tiere gleichzeitig abgegeben werden können und der Stress der Umgewöhnung sich minimiert.