RASSEN

Im Allgemeinen wird bei Meerschweinchen unterschieden zwischen "Rassemeerschweinchen" und sogenannten "Hausmeerschweinchen" (die nicht zwingend im Haus leben müssen...).
Die Definitionen und Standards der einzelnen Rassen sind teilweise noch in Bearbeitung und stimmen auch nicht in allen Ländern genau überein.

Im Prinzip sollte man meinen, ein reinrassiges Meerschweinchen stamme von Elterntieren derselben Rasse ab, die ihrerseits auch reinrassige Tiere sein sollten.
Ein Hausmeerschweinchen, hingegen, entspricht in etwa dem "Mischling" bei Hunden - wobei die Verpaarungen durchaus oft absichtlich vorgenommen werden.

Einigermassen heikel ist auch die Bezeichnung einer Rasse aufgrund ihrer Fellfarbe - die gleiche Fellfarbe kann eigentlich bei verschiedenen Haartypen auftreten. Die Rassenbezeichnung meint dann also eigentlich nur eine Farbzeichnung. Meist wird dabei aber vom Englischen Kurzhaar ausgegangen.

Das Thema "Rassen" gibt immer wieder zu hitzigen Diskussionen Anlass. Da in unserem Rudel sowieso mehrheitlich Hausmeerschweinchen oder eben Mischlinge leben, wollen wir nicht allzu detailliert darauf eingehen.

Relativ einheitlich bei allen Rassen ist die gewünschte Körperform: ziemlich rundlich, vor allem der Kopf wird meist breit und rund gewünscht, die Ohren tief angesetzt und hängend.
Das Hausmeerschweinchen hingegen hat sehr oft stehende oder halbstehende Ohren und einen eher spitzigen Kopf.
Hier wirds nun aber eher witzig: die Verpaarung eines reinrassigen Peruaners etwa mit einem reinrassigen Glatthaarschweinchen ergibt, nach landläufiger Praxis, ein Hausmeerschweinchen. Es wird aber mit ziemlicher Sicherheit einen runden, breiten Kopf und Hängeohren haben.
Manche Zoohändler machen es sich dann einfach und behaupten rotzfrech, das Tier sei ganz klar ein Rassetier, das sähe man ja schon an den Ohren und der Kopfform...

Aber eben, die hitzigen Diskussionen wollen wir doch lieber anderen überlassen.

Hier eine ganz knappe Uebersicht der Haartypen:

Englisch Kurzhaar (EKH)
Glatthaarmeerschweinchen in diversen Farben, uni oder gefleckt.

English Crested (auch Schopfmeerschweinchen genannt)
Glatthaarmeerschweinchen mit Stirnrosette, einfarbig, Rosette in derselben Farbe.

American Crested (wird ebenfalls gelegentlich als Schopfmeerschweinchen bezeichnet)
Glatthaarmeerschweinchen mit Stirnrosette, einfarbig, Rosette in weiss.

Rosette (oder Abysinnian)
Kurzhaariges Meerschweinchen mit mehreren Wirbeln. Die Wirbel sollen gemäss Standard regelmässig verteilt sein, auch die Anzahl ist festgelegt.
Diverse Farben in uni und bunt möglich.

Sheltie
Langhaarmeerschweinchen ohne Wirbel, die Haare am Kopf sind kurz, von den Schultern an sind sie lang.
Diverse Farben in uni oder bunt möglich.

Coronet
Langhaarmeerschweinchen mit glatten Haaren und Stirnrosette. Alle Farben und Scheckungen möglich.

Peruaner
Langhaarmeerschweinchen mit zwei Wirbeln auf der Hüfte und einem "Pony" am Kopf. Ebenfalls in diversen Farben uni und bunt. Die Bezeichnung "FW" bedeutet Fehlwirbel, etwa zusätzliche Wirbel am Körper oder an den Beinen.

Angora
Langhaarmeerschweinchen mit Wirbeln (quasi eine langhaarige Rosette). Diese Rasse ist teilweise noch nicht anerkannt. Ebenfalls in diversen Farben uni und bunt.

Rex
Meerschweinchen mit kurzem, krausem Haar, das am ganzen Körper gleichmässig aufsteht. In allen gängigen Farben uni und Scheckungen.

US-Teddy
Sieht optisch praktisch identisch aus wie ein Rex-Meerschweinchen, aber die Genetik ist anders. Die Verpaarung von US-Teddy mit Rex ergibt weder Teddy noch Rex, sondern normalerweise Glatthaar.
In diversen Farben uni und bunt.

CH-Teddy
Meerschweinchen mit krausem Haar, das aber im Gegensatz zu Rex und US-Teddy deutlich länger ist.
Die Rasse ist noch relativ neu und erst teilweise anerkannt.
Alle gängigen Farben uni und bunt.

Texel
Langhaarmeerschweinchen ohne Wirbel. Die Haare haben "Zapfenzieherlocken". Diverse Farben uni und bunt.

Merino
Langhaarmeerschweinchen mit "Zapfenzieherlocken" und Stirnrosette. Alle gängigen Farben uni und bunt.

Alpaka
Langhaarmeerschweinchen mit zwei Hüftwirbeln und "Zapfenzieherlocken". Also ein "gelockter Peruaner". Diverse Farben uni und gescheckt.

Mohair
Langhaarmeerschweinchen mit diversen Wirbeln und "Zapfenzieherlocken". Quasi ein "gelocktes Angora". Diverse Farben uni und gescheckt.

Satin
Satintiere kommen grundsätzlich in allen möglichen Haartypen vor. Ihre Haare sind hohl, wodurch sie einen ganz speziellen Glanz bekommen.
Beim Züchten von Satinmeerschweinchen sollte man ausdrücklich NICHT zwei Satintiere verpaaren, da die Nachkommen sonst häufig klein und schwach sind, teilweise sogar zu früh sterben. Satin wird auch vererbt, ohne dass es optisch zu erkennen ist, ein solches Tier ist dann ein SATINTRAEGER (ST).
Wird ein Satinträger mit einem Satin gekreuzt, sind die Jungen teilweise Satin, teilweise Satinträger.
Zwei Satinträger ergeben ebenfalls teilweise Satin, teilweise Satinträger.
Wird ein Satin hingegen mit einem normalen Tier verpaart, sind die Jungen nur teilweise Satinträger (was nur durch Verpaaren nachzuweisen ist), teilweise Normalhaarige.

Lunkarya
Sehr junge Rasse, durch spontane Mutation in Schweden erstmals entstanden. Lunkaryas haben lange, gekrauste Haare, die aber im Gegensatz zu denen anderer Langhaarrassen sehr harsch sind und nicht weich fallen.
Sämtliche Farben sind möglich.

Curly
Sehr junge Rasse, durch spontane Mutation in Schweden erstmals entstanden. Curlys haben kurze, gekrauste Haare - Kurzhaarversion von Lunkarya. Sämtliche Farben.


Theoretisch ist es möglich, aus der Verpaarung von Texel und Coronet vier verschieden Rassen von Jungtieren zu bekommen:
Texel, Coronet, Merino und Sheltie.
Ob man diese Jungtiere wirklich als reinrassig bezeichnen kann, lassen wir mal dahingestellt. Das wär sonst am Ende schon wieder etwas für eine hitzige Diskussion...

zu den Farben...